Annabelle Haas beim Zugspitz Ultra Trail erfolgreich

Leichtathletik

Der Salomon Zugspitz Ultra Trail powered by Ledlenser by UTMB ist das größte Trailrunning Event Deutschlands.

Bei der diesjährigen Veranstaltung Ende Juni ging Annabelle Haas vom TSV Riederich erneut an den Start. Es war ihre vierte Teilnahme, erstmals 2022 der Base Trail über 23km, 2023 dann der Mittenwald-Trail über 45 km, 2025 folgte der Leutasch Trail über 61km und 2026 sollte es der Ultratrail über 107km werden. „Sollte“ deshalb, da kurzfristig aufgrund der Wetterprognosen die Streckenlängen und Startzeiten vom Veranstalter verändert werden mussten um die Läufer und Läuferinnen sicher ins Ziel zu bringen.

So wurde der Ultratrail auf 75 Kilometer gekürzt, für die Riedericherin Annabelle jedoch trotzdem der längste Trailrun ihrer Karriere.

Berühmt für seine einmalige Atmosphere mit über 5.000 Athleten und Tausenden Besuchern wird Garmisch-Partenkirchen jedes Jahr im Juni zum Hotspot des Trailrunnings. 7 Distanzen stehen zur Auswahl, von 16 Kilometern bis zum 100 Meiler (160km).  Trailrunning erfreut sich immer größerer Beliebtheit, aufgrund der Laufstrecken im Gelände und über die Berge im Auf und Ab geht es nicht um konstante Zwischenzeiten mit Blick auf die Uhr wie im Marathon oder auf den Straßenläufen, allein die Höhenprofile und Streckenbeschaffenheiten bestimmen das Tempo, was viele Läufer als befreiend empfinden.

Annabelle Haas, früher Stabhochspringerin, entwickelte über viele Wandertouren in den Dolomiten und Alpen eine Faszination für die Berge. Unzählige Klettersteige, freies Klettern und Hochtouren brachten sie bis auf den Ortler (3906m) und ins Basislager am Mount Everest. Auch finishte sie beim New York City Marathon im Central Park. Die Leidenschaft und Begeisterung liegt aber auf den Bergen und nunmehr dem Trailrunning.

Das Besondere im Trailrunning ist das Laufen vor sehr schöner Kulisse mit tollen Weitblicken, aber auch die große Gemeinschaft die unter diesen Läufern herrscht und natürlich die großen Herausforderungen bis an die körperlichen und mentalen Grenzen. So war ihr zum Anfang in Garmisch etwas Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, als sie von der Streckenkürzung erfuhr. Startzeit war dann am Freitag um 21:40 Uhr in Leutasch in der Abenddämmerung. Zunächst ging es durch die Nacht über 3000 Höhenmeter und 75 Kilometer von Leutasch auf das Scharnitzjoch (2048m), zurück ins Tal über Mittenwald, dann Schloss Elmau und das große  Finale über den Osterfelderkopf (2033m) hinunter nach Garmisch-Partenkirchen.

Familie und Freunde begleiteten sie im Live-Tracking. Es lief sehr gut, zu Beginn mit voller Freude, auch anfangs durch die Nacht, jedoch morgens zwischen halb vier und fünf kam schon die Frage auf: „Was mache ich hier?“. Die größte Herausforderung war für Annabelle exakt ihr erster Lauf durch die Nacht. Die Streckenabschnitte waren technisch anspruchsvoll, insbesondere bergab, immer die Gefahr des Umknickens oder Sturz im Schein der Stirnlampe, volle mentale Konzentration, was viel Energie und Kraft kostet. Bei Schloss Elmau, nach rund 40km, gab es dann eine Stärkung mit Nudeln und Tomatensuppe, die die Lebensgeister wieder weckten und der Sonnenaufgang tat sein übriges als Motivationsschub, so dass die letzten Kilometer wieder Spaß machten, trotz der aufkommenden Hitze ab 8:00 Uhr. Jetzt galt es nur noch ins Ziel zu kommen. "Man muss sich dann zwingen", ihr Originalton.

Eine andere Schwierigkeit war, dass durch die kurzfristige Umstellung des Laufes der Verpflegungsplan nicht mehr passte und es nicht einfach war genug Kalorien und Wasser aufzunehmen. Man muss wissen, Annabelle verlor unterwegs rund 8,5 Liter durch Schwitzen und verbrauchte 5225 Kalorien.

Aber der Kampf wurde belohnt, nach 13:21:44 Stunden erreichte Annabelle überglücklich das Ziel auf Platz 71 im Frauenwettbewerb. Insgesamt finishten 808 Läufer und Läuferinnen im Ultratrail, davon 127 Frauen. Nach dem Lauf ist vor dem Lauf, Annabelle Haas wird im nächsten Jahr erneut einen Anlauf auf die dann hoffentlich kompletten 107km des Ultratrails wagen.